„Die Gesundheit der Mitarbeitenden hat für uns als Arbeitgeber oberste Priorität.“ Mit diesen Worten wird Thomas Schneider, Personalchef im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland, in einer Pressemitteilung der Deutschen Post vom 13. Juli 2026 zitiert. In dieser Unternehmensmeldung wird die Umsetzung eines neuen Trainings- und Präventionskonzeptes namens Ergo² bekannt gegeben.
Für die Beschäftigten in den Bereichen Zustellung, Brief- und Paketzentren oder auch Transport muss diese Aussage wie Hohn in den Ohren klingen. Viele von ihnen leiden körperlich – auch psychisch – unter den harten Arbeitsbedingungen im Unternehmen, und zwar schon seit Jahren. Immer mehr schwere Pakete, Druck und Stress sowie eine aufgrund des Personalmangels generell hohe Arbeitsbelastung führen dazu, dass der Krankenstand im Unternehmen nach wie vor in manchen Niederlassungen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegt. Zur Einordnung: Bundesweit lag der durchschnittliche Krankenstand hierzulande in der ersten Hälfte 2026 jedoch nur bei 5,3 Prozent.
Schrittweise Ausrollung geplant
Ziel des Programms Ergo² ist es nun, Beschäftigten dabei zu helfen, gesunde Routinen direkt in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Das Konzept wurde in einer zweijährigen Pilotphase entwickelt und erprobt. Nun soll es schrittweise auf rund 150 Standorte von Post & Paket Deutschland ausgerollt werden. Im Rahmen des Programms trainieren die Zustellkräfte gezielt Bewegungsabläufe während ihrer täglichen Tour und im Zustellstützpunkt. Dabei werden ihnen von Physiotherapeuten sowie Sportwissenschaftlern praxisnahe Übungen vermittelt. Zu den Übungen zählen beispielsweise ein „Ausfallschritt“ beim Entladen schwerer Pakete oder die Methoden zur Aktivierung der Rumpfmuskulatur während des Scannens.
Als Fachgewerkschaft DPVKOM begrüßen wir jede Handlung zur Gesundheitsprävention. Es ist auch schon mal positiv zu bewerten, dass das Unternehmen Deutsche Post zumindest erkannt hat, dass ein Heben schwerer Pakete, die Sortierung und Zustellung körperlich fordernd sind. Aber: Wir bezweifeln doch stark, dass bundesweit insgesamt sechs Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler – mehr sind es nämlich nicht! – bei insgesamt 150.000 Beschäftigten eine nachhaltige Verhaltensänderung bewirken können! Wer ernsthaft meint, mit dieser Anzahl an „Trainern“ die Gesundheit der Beschäftigten wirksam und dauerhaft fördern und erhalten zu können, ist weit von der Realität im Unternehmen entfernt. Wir fordern den Arbeitgeber Deutsche Post auf, den theoretisch positiven Ansatz nun auch mit einem entsprechenden Personaleinsatz umzusetzen.
Gewichtsbegrenzung auf 20 Kilogramm endlich einführen
Noch besser und wirksamer wäre es hingegen, betriebliche Abläufe im Sinne der Gesundheitserhaltung zu optimieren. Die tägliche Arbeitsverdichtung durch Personaleinsparung in der stationären Bearbeitung und der Flexibilisierung in der Zustellung führt zu einem erhöhtem Ausfallgeschehen. Das mehrfache Handling von mitunter bis zu 31,5 Kilogramm schweren Paketen führt zu Gesundheitsbeschwerden.
Eine Gewichtsbegrenzung auf 20 Kilogramm, ein Zwei-Personen-Handling bei der Bearbeitung
schwerer und sperriger Pakete wären, ohne ein zweijähriges Pilotverfahren durchführen zu müssen, eine sofortige Entlastung für die Rücken der Beschäftigten.