Die Überlastung der Beschäftigten in unserem Organisationsbereich nimmt immer weiter zu. Viele Kolleginnen und Kollegen üben ihre Arbeit mit großer Verantwortung aus, stoßen gleichzeitig aber an Belastungsgrenzen. In solchen Fällen kann eine Überlastungsanzeige schützen.
Dabei wird der Begriff Überlastungsanzeige häufig missverstanden. Manche Beschäftigte befürchten, sie würden damit ihren Arbeitgeber anzeigen oder gar einen Konflikt auslösen. Das Gegenteil ist der Fall.
Eine Überlastungsanzeige ist keine Anzeige gegen den Arbeitgeber. Sie ist die formelle Mitteilung eines Beschäftigten, dass die übertragenen Aufgaben unter den gegebenen Voraussetzungen nicht mehr ordnungsgemäß, sicher oder vollständig erledigt werden können. Sie beschreibt eine Situation der Überlastung und macht auf Risiken aufmerksam. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Viele Kolleginnen und Kollegen kennen die Situation: Der Personalbestand sinkt, die Aufgaben nehmen zu, neue Systeme und Prozesse müssen parallel zum Tagesgeschäft bewältigt werden und gleichzeitig steigen die Erwartungen an Qualität und Erreichbarkeit.
Gerade in den technischen Bereichen und in den Serviceeinheiten der Telekom führt dies häufig dazu, dass Beschäftigte ihre Belastungsgrenzen immer weiter verschieben. Zusätzliche Aufträge werden übernommen, Pausen verkürzt und Arbeitszeitkonten wachsen. Das mag kurzfristig funktionieren.
Langfristig entstehen jedoch erhebliche Risiken:
• gesundheitliche Belastungen
• steigende Fehlzeiten
• Qualitätsverluste
• Terminverzögerungen
• Sicherheitsrisiken bei der Arbeit
• Frustration und Demotivation
Wer dauerhaft versucht, strukturelle Personalengpässe durch persönliches Engagement auszugleichen, löst das Problem nicht. Er verdeckt es lediglich und erhöht damit auch die Erwartungen des Arbeitgebers mit der Folge, dass der Arbeitsdruck noch zunimmt. Genau an
dieser Stelle hat die Überlastungsanzeige ihre Stärke. Sie dokumentiert nachvollziehbar, dass ein Beschäftigter auf bestehende Probleme hingewiesen hat. Gleichzeitig erhält der Arbeitgeber die Möglichkeit, geeignete Maßnahmen zu prüfen und einzuleiten.
Eine Überlastungsanzeige kann beispielsweise aufzeigen,
• dass die vorhandene Personaldecke nicht ausreicht,
• dass Arbeitsabläufe verbessert werden müssen,
• dass die Menge der Aufgaben die verfügbaren Kapazitäten übersteigt,
• dass zusätzliche Qualifizierung erforderlich ist oder dass technische oder organisatorische Hindernisse die Arbeit erschweren.
Frühzeitig auf kritische Situationen aufmerksam machen, ist richtig
Die Anzeige ist damit kein Angriff auf Führungskräfte oder das Unternehmen. Sie ist vielmehr ein Instrument, um Missstände sichtbar zu machen und Lösungen anzustoßen. Denn Beschäftigte tragen Verantwortung für ihre Arbeit. Arbeitgeber tragen Verantwortung für die Arbeitsbedingungen. Wenn Kolleginnen und Kollegen ihre Überlastung offen ansprechen, handeln sie verantwortungsvoll. Sie schützen damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen sowie die Qualität der betrieblichen Leistungen.
Gerade in den verantwortungsvollen Tätigkeiten bei der Deutschen Telekom und Deutschen Post können Übermüdung, Zeitdruck und ständige Arbeitsverdichtung schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist es richtig und wichtig, frühzeitig auf kritische Situationen aufmerksam zu machen.
Die DPVKOM erwartet, dass solche Signale ernst genommen werden. Überlastungsanzeigen dürfen weder bagatellisiert noch als Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft interpretiert werden. Im Gegenteil: Wer eine Überlastung anzeigt, übernimmt Verantwortung. Daher ist unsere Botschaft klar. Die Fachgewerkschaft DPVKOM ermutigt alle Kolleginnen und Kollegen, offene Belastungssituationen anzusprechen. Niemand muss dauerhaft über seine Belastungsgrenze hinaus arbeiten, um organisatorische Defizite auszugleichen. Überlastungsanzeigen sind ein legitimes und wichtiges Instrument, um auf kritische Entwicklungen aufmerksam zu machen. Sie sind kein Angriff auf den Arbeitgeber. Sie sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Zeichen von Professionalität und Verantwortungsbewusstsein.
Denn nur erkannte Probleme können gelöst werden. Wer Überlastung sichtbar macht, trägt dazu bei, Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Wer als Beschäftigter eine Überlastung anzeigen will, kann das hierzu von der DPVKOM bereitgestellte Formblatt verwenden. Außerdem hat unsere Fachgewerkschaft zum Thema Überlastungsanzeige einen Flyer herausgegeben. Weitere Fragen zum Thema Überlastungsanzeige beantworten auch unsere Betriebsräte und Gewerkschaftssekretäre.
Flyer zum Thema Überlastungsanzeige (PDF)
Formblatt Überlastungsanzeige (PDF)