dbb Diskussion über Teilzeit: Schluss mit der Schlagzeilenpolitik y a b a x P i : o t o F Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Das sorgt für Schlagzeilen, mit seriöser Wirtschafts- und Arbeitspolitik hat es aber nichts zu tun. Der dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer kritisierte Ende Januar den Vorstoß: „Statt tragfähige Antworten auf Fach- kräftemangel und Wirtschaftswachstum zu liefern, schiebt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Verant- wortung auf die arbeitende Bevölkerung und diskreditiert Teilzeitarbeit. Faktisch wird hierbei auch mehr als ein Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst unter Generalver- dacht gestellt, überwiegend Frauen. Das ist nicht nur res- pektlos, sondern auch gefährlich für die Funktionsfähigkeit staatlicher Aufgaben.“ Die geplanten Einschränkungen seien eine Bankrotterklä- rung und lenkten von der eigentlichen Herausforderung ab, so Geyer: „Dass so viele Menschen in Teilzeit arbeiten, hat handfeste strukturelle Gründe und nichts mit Bequemlich- keit zu tun. Wer Fachkräfte sichern will, muss das große Bild sehen und Rahmenbedingungen verbessern, statt Rechte einzuschränken.“ Schlagzeilenpolitik ersetze keine seriöse Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Besonders unglaubwürdig sei es, sich über hohe Teil- zeitquoten zu beklagen und gleichzeitig an politischen Fehlanreizen wie dem Ehegattensplitting und Minijobs festzuhalten. Für den dbb sei diese Schieflage absolut inakzeptabel. NOTWENDIGE SORGEARBEIT IST KEIN „LIFESTYLE“ Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellver- tretende dbb Bundesvorsitzende, verwies auf den Zusammenhang zwi- schen Teilzeit und Sorgearbeit: „Fehlende Kitaplätze, unzureichende Betreu- ung von Schulkindern, mangelnde Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie schlechte Arbeitsbedingungen zwingen viele Frauen zur Redu- zierung ihrer Arbeitszeit.“ Wer unbezahlte Sorgearbeit ausblende, rechne sich seine Volkswirtschaft schön, erklärte die dbb-frauen-Chefin. „Ohne sie würde kein Arbeitsmarkt funktionieren. Es ist absolut realitätsfern, eine Debatte über Teilzeit aufzumachen, ohne gleichzeitig über die ungleiche Verteilung unbezahlter Carearbeit zwischen Frauen und Männern zu spre- chen.“ Frauen trügen die strukturellen Folgen in Form von schlechteren Kar- rierechancen, finanzieller Abhängigkeit und Altersarmut. Darüber hinaus sei Teilzeit auch eine Folge gesundheitlicher Überlastung, auch ohne Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Kreutz richtete auch ein Wort an die Frauen-Union: „Wer für Frauenrechte eintritt, kann zu dieser Debatte nicht schweigen. Die CDU-Frauen-Union muss jetzt klar sagen, ob sie diesen Rückschritt mitträgt oder nicht.“ dbb Fandrejewski: „Wer ein Teilzeit-Verbot fordert, verkennt den Wert von Care-Arbeit“ Der Wirtschaftsflügel der CDU will das Recht auf Teilzeit abschaffen. Die Forde- rung geht an der Realität vorbei, sagt der Chef der dbb jugend, Matthäus Fandre- jewski. Künftig soll eine „besondere Begründung“ erforderlich sein, um in Teilzeit zu arbeiten – zumindest, wenn es nach dem Willen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) geht. Dem- nach könnten die Erziehung von Kin- dern, die Pflege Angehöriger oder Wei- terbildungen als „besondere Gründe“ gelten. „Arbeitnehmende sich ganz grundsätzlich nicht dafür rechtfertigen müssen, warum sie in Teilzeit gehen“, sollen sagte der Vorsitzende der dbb jugend, Ende Januar in Berlin. „Die Debatte finde ich befremdlich, weil sie alle Men- schen, die in Teilzeit arbeiten, unter Generalverdacht stellt. Wir sollten eher eine Debatte darüber führen, wie wir die Betroffenen, die ihre Angehörigen pflegen und für ihre Kinder da sind, finanziell besser unterstützen. Und eine Debatte darüber, wie sich Familie und Arbeit besser unter einen Hut bringen lassen. Denn das ist es, was insbeson- dere auch junge Menschen vor große Probleme stellt.“ Weiterhin kritisierte der Vorsitzende der dbb jugend, den Wert von Arbeit aus- 28 schließlich an der Wochenarbeitszeit festzumachen. „Effizienz, Arbeitsab- läufe, Digitalisierung und flexible Struk- turen spielen in meinen Augen eine viel größere Rolle“, sagte er. „Außerdem ist es fatal, wenn wir den Wert von Care- Arbeit nicht einbeziehen. Diese umfasst nämlich auch ehrenamtliches Engage- ment. Ich möchte nicht auf die Men- schen verzichten, die in Teilzeit gehen, weil sie sich in den Sportvereinen, im sozialen Bereich oder anderweitig für die Gesellschaft engagieren. Diese Arbeit ist unbezahlbar. Wer ein Teilzeit- Verbot fordert, verkennt den Wert von Care-Arbeit!“ dbb 02-2026