Die Fachgewerkschaft für die Beschäftigten der Post, Postbank, Telekom und Call-Center

08.10.2015Artikel drucken

Post lässt überwiegend bei DHL Delivery ausbilden

  • In den Niederlassungen Magdeburg und Hamburg Süd der DHL Delivery GmbH stellt die DPVKOM die Betriebsratsmehrheit: (v.l.) Andreas Pohle (Ersatzmitglied Betriebsrat DHL Delivery GmbH Magdeburg), Andreas Böning (Betriebsrat Magdeburg), Paul Hänsel (Betriebsratsvorsitzender Magdeburg) sowie Thomas Hanke (Betriebsrat Hamburg Süd) und Manfred Kühl (Betriebsratsvorsitzender Hamburg Süd).

Die Deutsche Post DHL wird im kommenden Jahr konzernweit voraussichtlich deutlich mehr als 2 400 junge Menschen in 25 verschiedenen Berufen ausbilden. Das sind mehr als im Vorjahr – da hatte die Post 2 375 Auszubildende – und so viele wie noch nie seit der Privatisierung der Deutschen Bundespost.

Auch wenn diese Zahl grundsätzlich erfreulich und positiv ist, gibt es indes von Seiten der DPVKOM auch erheblichen Anlass zu Kritik. Denn das Management will von den insgesamt 1 617 Ausbildungsplätzen im Beruf Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen (FKEP) 1 000 in den 49 zu Jahresbeginn gegründeten DHL Delivery GmbHs und nur noch 617 bei der Muttergesellschaft anbieten. Ein solches – angesichts der jeweiligen Beschäftigtenzahlen – krasses Missverhältnis ist an sich schon inakzeptabel.

In einem besonders negativen Licht erscheinen die Absichten der Verantwortlichen jedoch, weil zu Ausbildungsbeginn im Sommer 2016 sicherlich nicht in allen DHL-Delivery-Firmen gut geschulte Betriebsratsgremien, geschweige denn Jugend- und Auszubildendenvertretungen amtieren werden. Aus Sicht eines Arbeitgebers, der seit geraumer Zeit nichts unversucht lässt, um Personalkosten zu drücken, ist eine solche Vorgehensweise sicherlich naheliegend. Schließlich sind die tariflichen Ausbildungsbedingungen für die jungen Menschen bei den Tochtergesellschaften doch wesentlich schlechter als beim Mutterunternehmen.

 

DPVKOM lehnt Zweiklassengesellschaft ab

Wäre die Deutsche Post nur ansatzweise der „Erste-Wahl- Arbeitgeber“, der sie öffentlichkeitswirksam immer sein möchte, würde sie innerhalb des Konzerns – zumindest für Auszubildende im gleichen Berufsbild – keine Zweiklassengesellschaft schaffen.

In diesem Zusammenhang ruft ein weiterer wichtiger Aspekt die DPVKOM auf den Plan. Bereits im Juli vergangenen Jahres hat der Arbeitgeber die Konzernbetriebsvereinbarung „über die konzernweite Ausbildung von FKEP“ gekündigt, deren Nachwirkung am 31. Juli 2015 endete. Seitdem haben nunmehr die örtlichen Betriebsräte und die Jugend- und Auszubildendenvertretungen besonders auf ihr betriebsverfassungsrechtlich gestütztes Mitbestimmungsrecht hinsichtlich der Ausbildungsgestaltung (zum Beispiel in Bezug auf Inhalte oder Dienstzeiten) zu achten. Dies ist auch dringend notwendig, denn wie der DPVKOM von ihren Mitgliedern zugetragen wurde, schickt die Deutsche Post ihre Nachwuchs-FKEPs aus Kostengründen mittlerweile schon nach wenigen Wochen in den selbstständigen Einsatz. Diese unlautere und unverantwortliche Praxis sollten die Betriebsratsgremien vor Ort schnellstens unterbinden.