Die Fachgewerkschaft für die Beschäftigten der Post, Postbank, Telekom und Call-Center

04.06.2019Artikel drucken

Tag des Zustellers am 6. Juni 2019

Kopfgeldprämien für neue Zusteller reichen bei Weitem nicht aus!

„Die Verdoppelung der Beschwerden über die Brief- und Paketzustellung zeigt deutlich, dass die Qualität der Dienstleistung sinkt. Daran sind jedoch nicht die Zustellerinnen und Zusteller schuld, sondern die Unternehmen. Wer seit Jahren am und beim Personal spart, darf sich nicht wundern, wenn die Kunden ihrem Ärger immer öfter Luft machen.“ Das sagt die Bundesvorsitzende der Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM), Christina Dahlhaus, anlässlich des Tages des Zustellers am 6. Juni 2019.

Dahlhaus weiter: „Die 12.500 Beschwerden über Mängel bei der Zustellung, die bei der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr eingegangen sind, kommen ja nicht von ungefähr. Noch immer fehlen allein bei der Deutschen Post Tausende Zusteller und noch immer ist der Krankenstand im Unternehmen aufgrund der schweren körperlichen Arbeit bei stetig größer werdenden Zustellbezirken viel zu hoch.“ Um den Personalmangel zu beheben, zahlt die Deutschen Post in einigen Niederlassungen sogar „Kopfgeldprämien“ von mitunter mehreren Hundert Euro an Beschäftigte, die aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis neue Zustellkräfte vermitteln, die mindestens sechs Monate im Unternehmen bleiben. Aus Sicht der DPVKOM reicht dies jedoch bei Weitem nicht aus, um die Probleme im Bereich der Zustellung zu lösen. „Die Verantwortlichen in den Unternehmen, auch und gerade beim Marktführer Deutsche Post, müssen endlich begreifen, dass sie nur dann neues Personal gewinnen werden, wenn sie vernünftige Arbeits- und Entgeltbedingungen sowie berufliche Perspektiven bieten. Dazu zählt auch eine schnellere Entfristung von Arbeitsverhältnissen. Zudem muss das Personal gut aus- und weitergebildet werden“, so die DPVKOM-Bundesvorsitzende.

Die Qualitätsmängel in der Zustellung sind nämlich auch auf die seit Jahren völlig verfehlte Personal- und Preispolitik der Unternehmen zurückzuführen. Der Wettbewerb, insbesondere in der boomenden Paketbranche, findet in erster Linie über den niedrigsten Preis und damit auch über die Löhne der Beschäftigten statt. Im Bereich der Paketzustellung sind beispielsweise die Einkommen der Zusteller in den vergangenen zehn Jahren um etwa 13 Prozent gesunken. Danach bekommen Zusteller in der Paketbranche ein mittleres Bruttomonatsentgelt von 2478 Euro. Vor zehn Jahren waren es noch 2859 Euro. Und die bei den Subunternehmen großer Auftraggeber tätigen Zusteller erhalten oftmals noch nicht einmal den gesetzlich vorgesehenen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde. Vor diesem Hintergrund ist die vom Koalitionsausschuss beschlossene Einführung der Nachunternehmerhaftung in der Paketbranche sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen.

So fordert die Fachgewerkschaft DPVKOM unter anderem flächendeckende, regelmäßige und umfassende Kontrollen hinsichtlich der Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,19 Euro. Dessen ungeachtet müssen die Löhne der Zusteller spürbar steigen. Es kann nicht sein, dass das Lohnniveau sinkt und damit die Arbeit eines Paketzustellers entwertet wird.  

Der Tag des Zustellers

Mit dem Tag des Zustellers, der von der DPVKOM nach 2015 mittlerweile zum fünften Mal ausgeru­fen wird, will die DPVKOM auf die Arbeitssituation der Zustellerinnen und Zusteller der Deut­schen Post aufmerksam machen. Gleichzeitig soll den Beschäftigten an diesem Tag die Wertschätzung zuteilwerden, die sie von ihrem Arbeitgeber viel zu oft ver­missen. Es wäre schön, wenn sich an diesem Tag möglichst viele Menschen bei ihrer Zustellerin oder ihrem Zusteller für die geleistete Arbeit bedanken. Dahlhaus weiter: „Die Brief- und Paketboten genießen in der Bevölkerung trotz der zahlreichen Beschwerden immer noch ein hohes Ansehen. Die Kunden wissen ganz genau, dass die Beschäftigten ihr Bestmögliches geben, um die Post ordnungsgemäß und pünktlich zuzu­stellen.“

Pressemitteilung