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06.04.2017Artikel drucken

Einsatz der DPVKOM zahlt sich aus – Mitarbeiter der DHL Delivery erhalten unbefristete Arbeitsplätze

In den bundesweit 46 DHL- Delivery-Regionalgesellschaften ist die Anzahl der befristet Beschäftigten unter den mittlerweile insgesamt mehr als 10 000 festangestellten Mitarbeitern besonders hoch. Vielerorts bekommen Neueingestellte von den jeweiligen Unternehmen nur Zeitverträge über ein bis drei Monate, welche dann bei individueller Eignung mehrfach verlängert werden.

So lag beispielsweise im vergangenen Oktober die Befristungsquote bei der DHL Delivery Düsseldorf bei rund 40 Prozent und bei der DHL Delivery in Kassel sogar bei über 76 Prozent. Während des letzten Starkverkehrs, bei dem die Regionalgesellschaften einen besonders hohen Bedarf an Arbeitskräften hatten, verschärfte sich das Problem logischerweise noch weiter.

DPVKOM kritisiert die zu hohe Befristungsquote

Die DPVKOM hatte die zu hohe Befristungsquote bei vielen DHL-Delivery-Regionalgesellschaften in Gesprächen mit Arbeitgebervertretern bereits im vergangenen Sommer thematisiert und kritisiert. Aus unserer Sicht hat diese hohe Anzahl an befristeten Beschäftigungsverhältnissen nichts mehr mit der Notwendigkeit einer sendungsmengenabhängigen, flexiblen Personalplanung zu tun. Aus Sicht der DPVKOM sind solche Befristungsquoten inakzeptabel, da sie den Beschäftigten keinerlei berufliche Perspektiven bieten. Die Deutsche Post DHL kündigte wenige Monate später an, das Problem anzugehen.

Vor ein paar Wochen präsentierte der Arbeitgeber nun endlich ein Entfristungskonzept für insgesamt 802 Vollzeitkräfte bei den DHL Delivery GmbHs. Dieses Entfristungskonzept gleicht hinsichtlich der Quotenregelung dem bei der Deutschen Post AG aus dem Jahr 2016 im Segment Paketzustellung. Dass nun auch bei der DHL Delivery zahlreiche Arbeitsverhältnisse entfristet werden, ist auch dem Einsatz der DPVKOM zu verdanken.

Dem Entfristungskonzept zufolge muss jede Delivery-Gesellschaft grundsätzlich eine Flexibilisierungsquote im Betrieb von fünf Prozent der Belegschaft vorhalten. Wenn diese Bedingung erfüllt ist, dürfen die GmbHs im laufenden Jahr jeweils bis zu 25 ihrer derzeit befristet angestellten Vollzeitkräfte – ohne eine gesonderte Genehmigung der „zentralen Gebietssteuerung Personal“ (ZGP) einholen zu müssen – eigenständig entfristen. Dabei erhalten jedoch nur die Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz,

  • die mindestens ein Jahr sachgrundlos befristet beschäftigt waren,
  • die innerhalb eines Jahres höchstens dreimal krank und dabei insgesamt höchstens zehn Tage ausgefallen sind und
  • die innerhalb eines Jahres höchstens einen Kfz-Unfall verursacht haben und der dabei entstandene Schaden maximal 2 500 Euro betrug.


Einzelfallprüfung gefordert

Die DPVKOM begrüßt grundsätzlich das vorgestellte Entfristungskonzept für die DHL Delivery GmbHs. Allerdings sind wir der Meinung, dass die Geschäftsführung der jeweiligen Gesellschaft hinsichtlich des krankheitsbedingten Ausfallverhaltens jeden Einzelfall prüfen und im Zweifel eine Sondergenehmigung für die Entfristung bei der ZGP einholen muss. Das Unfallaufkommen und eine konkrete Höchstschadenssumme als Entfristungsvoraussetzung anzuführen, ist dagegen für die DPVKOM ein Unding. Wir fordern daher, dass dieses Kriterium nicht zur Anwendung kommt. Schließlich ist die Schuldfrage bei einem Unfall oft nicht eindeutig und zudem ist es nach unserer Überzeugung völlig überzogen, etwaige Missgeschicke von Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen zu bestrafen.