Die Fachgewerkschaft für die Beschäftigten der Post, Postbank, Telekom und Call-Center

08.09.2014Artikel drucken

Betriebsrätekonferenz 2014: Interessante Themen, tolle Gäste und spannende Diskussionen

  • Foto: DPVKOM
    Der Erste Bürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz, war zum zweiten Mal Gast der DPVKOM-Betriebsrätekonferenz.
  • Foto: DPVKOM Weit mehr als 150 Betriebsräte waren zur Betriebsrätekonferenz nach Hamburg gekommen.
  • Foto: DPVKOM Der DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer (l.) mit der neugewählten stellvertretenden Sprecherin der Bundesfachgruppe Betriebs-und Personalräte, Karen Groth, und dem wiedergewählten Sprecher der Fachgruppe Ralf Reinhardt.

Viele neue, aber natürlich auch zahlreiche bekannte Gesichter waren bei der diesjährigen DPVKOM-Betriebsrätekonferenz Ende August in Hamburg zu sehen. Die weit mehr als 150 betrieblichen Interessenvertreter von Post, Postbank, Telekom und aus den Call-Centern erlebten dabei einmal mehr eine rundum gelungene Veranstaltung. Das lag nicht nur an dem interessanten Tagungsprogramm mit vielen wichtigen Themen, sondern natürlich auch an den tollen Gästen, die diese Zusammenkunft erneut zu einem Höhepunkt im diesjährigen Veranstaltungskalender der DPVKOM gemacht haben.

n seiner Eröffnungsrede dankte der DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer den anwesenden Betriebsräten für ihren tollen Einsatz und das Engagement bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr. Gleichzeitig kündigte er an, dass die DPVKOM die Betriebsräte bei der wichtigen und verantwortungsvollen Arbeit natürlich unterstützen werde. An dieser Stelle appellierte er aber auch an die betrieblichen Interessenvertreter, nicht nur regelmäßig Kontakt zu den Gewerkschaftssekretären zu halten, sondern auch die Schulungsangebote der DPVKOM und das Netzwerk der bundesweiten und regionalen Fachgruppen der Betriebs- und Personalräte zu nutzen. Anschließend ging er auf das Schwerpunktthema „Führung von Mitarbeitern“ ein, das im Mittelpunkt der Betriebsrätekonferenz stand. Ein guter Vorgesetzter wisse, so Volker Geyer, dass ohne die Mitarbeiter der Betrieb nicht funktioniere. Deshalb binde er die Menschen ein, frage sie nach der Meinung und beteilige sie. Viele Beschäftigte in den Unternehmen erlebten jedoch genau das Gegenteil. Hier sei nicht der einzelne Mitarbeiter wichtig, sondern nur der wirtschaftliche Erfolg.

Ein Höhepunkt der Betriebsrätekonferenz war der Besuch des Ersten Bürgermeisters Hamburgs, Olaf Scholz. Dieser war nach 2009 – damals noch in seiner Funktion als Bundesarbeitsminister – bereits zum zweiten Mal Gast bei einer DPVKOM-Betriebsrätekonferenz. In seiner kurzen Begrüßungsansprache stellte der DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer dem Hamburger Bürgermeister wesentliche Forderungen unserer DPVKOM noch einmal dar. Dazu zählen die Bestrebungen zur Herstellung von Tarifeinheit in den Betrieben aufzugeben, die durch die Änderung des Postpersonalrechtsgesetzes vorgesehenen Pläne zur Aushöhlung von Beamtenrechten fallenzulassen und die Regelungslücken bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zu schließen. Auf diese Themen ging Olaf Scholz in seiner Rede dann auch mehr oder weniger ausführlich ein. Zur Tarifeinheit führte er unter anderem aus, dass dies eine höchst komplizierte Materie sei, bei deren gesetzlichen Regelung sichergestellt werden müsse, dass eine Tariflandschaft, die unter anderem durch konkurrierende Gewerkschaften gekennzeichnet sei, nicht komplett zerstört werde. Er riet allen Beteiligten, zunächst einmal abzuwarten, was als Gesetzesvorschlag präsentiert werde. Dies werde sicherlich nicht allen schmecken, sich aber im verfassungsrechtlichen Rahmen bewegen. In Bezug auf das Thema Mindestlohn war er zunächst einmal froh, dass dieser nun überhaupt komme – auch wenn der Mindestlohn von 8,50 Euro sicherlich „kein guter Lohn“ sei. Wichtig sei jedoch der moralische Effekt, den der Mindestlohn mit sich bringe. Für ihn sei vollkommen klar, dass derjenige, der Vollzeit arbeite, damit den eigenen Lebensunterhalt bestreiten können müsse und die Entwertung der Arbeit nicht länger hinnehmbar sei. Allerdings gab er zu bedenken, dass der Gesetzgeber nicht gänzlich verhindern könne, dass auch beim Thema Mindestlohn Missbrauch betrieben werde.

Einige Ausführungen von Olaf Scholz wurden dann vom Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, aufgenommen. In seiner eindrucksvollen Rede bewertete er aus seiner Sicht die Einführung des Mindestlohns und das Bestreben zur Herstellung von Tarifeinheit in den Betrieben. Weselsky zufolge sei der gesetzliche Mindestlohn unter anderem deshalb notwendig geworden, weil der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den Betrieben bei mittlerweile nur noch 18 Prozent liege. In Bezug auf das Thema Tarifeinheit sparte er nicht mit Kritik an den politisch Verantwortlichen, hier insbesondere an der SPD: „Die Arbeiterpartei vernichtet Gewerkschaften.“