Deutscher Seniorentag in Leipzig war ein voller Erfolg

Seniorentag 2009 LeipzigRund 15.000 Besucher kamen zum Deutschen Seniorentag der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) vom 8. bis 10. Juni in die Messehallen in Leipzig. Dieser wird alle drei Jahre von den mehr als 100 BAGSO-Organisationen zusammen durchgeführt und dokumentiert die gemeinschaftliche Arbeit in Foren, Workshops, Mitmach-Aktionen, Podiumsdiskussion mit Politikern und der begleitenden Fachausstellung SenNova. Die DPVKOM ist seit vielen Jahren Mitglied in der BAGSO und beteiligte sich nach Nürnberg, Hannover und Köln jetzt in Leipzig zum vierten Mal mit einem Ausstellungsstand.

Bild: Unsere guten Geister am Messestand: v. l. n. r. Karl-Heinz Harm, Karin Leske, Marieluis Gräbner und Kurt Scherff (es fehlt Gisela Volk): Foto: Günter Weidig

Schirmherrin der diesjährigen Veranstaltung war Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Festansprache vor über 3 000 Besuchern und einer Fernseh-Direktübertragung bei Phoenix sagte sie unter anderem mit Blick auf die BAGSO:
„Es ist sicherlich nicht ganz einfach, immer alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, wenn man die hier Anwesenden sieht, wenn man die Kraft dieses Sprachrohres wahrnimmt, dann hat es sich gelohnt, auf Kompromisse einzugehen. Ich würde Ihnen raten: Bleiben Sie weiter gut zusammen, diskutieren Sie die kontroversen Dinge aus, aber seien Sie nach außen eine Arbeitsgemeinschaft, die mit einer Stimme die Interessen der Älteren in Deutschland vertritt.“
 
Zum immer wieder diskutierten demografischen Wandel sagte die Kanzlerin: „Ich bin sehr dafür, dass wir den demografischen Wandel als Chance begreifen. Wenn wir ihn aber als Chance begreifen wollen, dann heißt das für mich auch, dass wir die Größe der Herausforderung nicht einfach unter den Tisch fallen lassen dürfen. Deutschland wird eines der Länder auf der Welt sein, das mit am schnellsten von diesem demografischen Wandel betroffen sein wird.
 
Heute ist in Deutschland die Zahl derer, die über 60 sind, schon größer als die der unter 20-Jährigen. Wir werden bis zum Jahr 2030 eine Entwicklung haben, wonach die Zahl von heute rund 26 Prozent der über 60-Jährigen auf etwa 36 Prozent ansteigt. Das heißt also, es ist sehr wichtig, dass wir uns auf diese Veränderung der Altersstruktur einstellen, dass wir die richtigen Antworten darauf finden.“
 
In der Vergangenheit wurden ältere Menschen aus dem Berufsleben gedrängt. „Da haben wir in Deutschland große Fehler gemacht. Aus diesen großen Fehlern haben wir aber, glaube ich, glücklicherweise gelernt“, räumte die Bundeskanzlerin ein.
 
Erfahrung älterer Menschen wird gebraucht
In ihren weiteren Ausführungen wies Bundeskanzlerin Merkel unter anderem darauf hin, dass die Erfahrung der Älteren gebraucht werde und dass bestimmte Altersgrenzen  für das Ausscheiden aus dem Berufsleben soweit wie möglich abgeschafft und flexibel gestaltet werden sollten. Außerdem sei es gut und richtig, dass ältere Menschen über die gesellschaftliche Entwicklung mit entscheiden und sich einbringen wollen. Darüber hinaus sprach sie sich für Mehrgenerationenhäuser als einen Schritt in die richtige Richtung, die Zusammenarbeit von Jung und Alt, aber auch für eine altergerechte Infrastruktur in Städten und Gemeinden aus.
 
Zum Schluss ihrer Ausführungen forderte die Kanzlerin die Senioren und die BAGSO auf:
„Mischen Sie sich ein, seien Sie manchmal unbequem – natürlich in Maßen –, seien Sie immer konstruktiv.“
 
Die lange und aus Sicht der Teilnehmer sehr gute Rede wurde mit minutenlangem Applaus bedacht.
 
Viele Politiker bei zahlreichen Veranstaltungen
Natürlich waren zu den zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Seniorentages auch viele andere Politiker gekommen. Dazu zählten unter anderem der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee oder auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.
 
In den Foren und Diskussionsrunden mit Politikern der verschiedenen Parteien gab es keine grundlegend neuen Erkenntnisse. Die Interessen der Älteren wollen alle vertreten. Wohltuend war, dass die direkte Wahlwerbung weitgehend außen vor blieb. Nur zwischen den Zeilen war sie ansatzweise zu erkennen.
 
Schwerpunktthema Rentenangleichung
Schwerpunktthema über alle drei Tage war zweifellos der Zeitplan für die Rentenangleichung in Ost und West. Dazu noch einmal die Bundeskanzlerin: „In dieser Legislaturperiode ist nicht mehr damit zu rechnen. Ich stehe dazu, dass wir eine solche Angleichung von Ost und West brauchen. Ich würde, wenn sie mich nach dem Zeitrahmen fragen, sagen, dass das Thema in den ersten beiden Jahren der nächsten Legislaturperiode erledigt sein wird.“ An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ein Beschluss über die Rentenangleichung lediglich den Zeitrahmen für die Angleichung festlegen wird. Die volle Angleichung wird auch weiterhin in kleinen Schritten erfolgen und wohl nicht vor dem Jahr 2020 umgesetzt sein.
 
Insgesamt war der Seniorentag sehr informativ. Es gab viele neue Anregungen für die künftige Seniorenarbeit der DPVKOM. Die Mitglieder des Seniorenvorstandes hatten Gelegenheit, sich über Waren und Dienstleistungen für Senioren zu informieren, Kontakte zu anderen Seniorenverbänden zu knüpfen und sich in Diskussionsrunden zu informieren und selbst einzubringen.
 
Am Ausstellungsstand der DPVKOM herrschte zeitweilig reger Betrieb. Mehrere tausend Besucher wurden von unserem Messe-Team Karin Leske, Marieluis Gräbner, Gisela Volk, Karl-Heinz Harm und Kurt Scherff informiert, beraten und betreut.
Günter Weidig