Deutscher Seniorentag in Leipzig war ein voller Erfolg
Rund
15.000 Besucher kamen zum Deutschen Seniorentag der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) vom 8. bis 10.
Juni in die Messehallen in Leipzig. Dieser wird alle drei Jahre von den mehr
als 100 BAGSO-Organisationen zusammen durchgeführt und dokumentiert die
gemeinschaftliche Arbeit in Foren, Workshops, Mitmach-Aktionen,
Podiumsdiskussion mit Politikern und der begleitenden Fachausstellung
SenNova. Die DPVKOM ist seit vielen Jahren Mitglied in der BAGSO und
beteiligte sich nach Nürnberg, Hannover und Köln jetzt in Leipzig zum
vierten Mal mit einem Ausstellungsstand.
Bild: Unsere guten Geister am Messestand: v. l. n. r.
Karl-Heinz Harm, Karin Leske, Marieluis Gräbner und Kurt Scherff (es fehlt
Gisela Volk): Foto: Günter Weidig
Schirmherrin der diesjährigen Veranstaltung war Bundeskanzlerin Angela
Merkel. In ihrer Festansprache vor über 3 000 Besuchern und einer
Fernseh-Direktübertragung bei Phoenix sagte sie unter anderem mit Blick auf
die BAGSO:
„Es ist sicherlich nicht ganz einfach, immer alle Interessen unter einen Hut
zu bringen. Ich glaube, wenn man die hier Anwesenden sieht, wenn man die
Kraft dieses Sprachrohres wahrnimmt, dann hat es sich gelohnt, auf
Kompromisse einzugehen. Ich würde Ihnen raten: Bleiben Sie weiter gut
zusammen, diskutieren Sie die kontroversen Dinge aus, aber seien Sie nach
außen eine Arbeitsgemeinschaft, die mit einer Stimme die Interessen der
Älteren in Deutschland vertritt.“
Zum immer wieder diskutierten demografischen Wandel sagte die Kanzlerin:
„Ich bin sehr dafür, dass wir den demografischen Wandel als Chance
begreifen. Wenn wir ihn aber als Chance begreifen wollen, dann heißt das für
mich auch, dass wir die Größe der Herausforderung nicht einfach unter den
Tisch fallen lassen dürfen. Deutschland wird eines der Länder auf der Welt
sein, das mit am schnellsten von diesem demografischen Wandel betroffen sein
wird.
Heute ist in Deutschland die Zahl derer, die über 60 sind, schon größer als
die der unter 20-Jährigen. Wir werden bis zum Jahr 2030 eine Entwicklung
haben, wonach die Zahl von heute rund 26 Prozent der über 60-Jährigen auf
etwa 36 Prozent ansteigt. Das heißt also, es ist sehr wichtig, dass wir uns
auf diese Veränderung der Altersstruktur einstellen, dass wir die richtigen
Antworten darauf finden.“
In der Vergangenheit wurden ältere Menschen aus dem Berufsleben gedrängt.
„Da haben wir in Deutschland große Fehler gemacht. Aus diesen großen Fehlern
haben wir aber, glaube ich, glücklicherweise gelernt“, räumte die
Bundeskanzlerin ein.
Erfahrung älterer Menschen wird gebraucht
In ihren weiteren Ausführungen wies Bundeskanzlerin Merkel unter anderem
darauf hin, dass die Erfahrung der Älteren gebraucht werde und dass
bestimmte Altersgrenzen für das Ausscheiden aus dem Berufsleben soweit wie
möglich abgeschafft und flexibel gestaltet werden sollten. Außerdem sei es
gut und richtig, dass ältere Menschen über die gesellschaftliche Entwicklung
mit entscheiden und sich einbringen wollen. Darüber hinaus sprach sie sich
für Mehrgenerationenhäuser als einen Schritt in die richtige Richtung, die
Zusammenarbeit von Jung und Alt, aber auch für eine altergerechte
Infrastruktur in Städten und Gemeinden aus.
Zum Schluss ihrer Ausführungen forderte die Kanzlerin die Senioren und die
BAGSO auf:
„Mischen Sie sich ein, seien Sie manchmal unbequem – natürlich in Maßen –,
seien Sie immer konstruktiv.“
Die lange und aus Sicht der Teilnehmer sehr gute Rede wurde mit
minutenlangem Applaus bedacht.
Viele Politiker bei zahlreichen Veranstaltungen
Natürlich waren zu den zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des
Seniorentages auch viele andere Politiker gekommen. Dazu zählten unter
anderem der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, Verkehrsminister Wolfgang
Tiefensee oder auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.
In den Foren und Diskussionsrunden mit Politikern der verschiedenen Parteien
gab es keine grundlegend neuen Erkenntnisse. Die Interessen der Älteren
wollen alle vertreten. Wohltuend war, dass die direkte Wahlwerbung
weitgehend außen vor blieb. Nur zwischen den Zeilen war sie ansatzweise zu
erkennen.
Schwerpunktthema Rentenangleichung
Schwerpunktthema über alle drei Tage war zweifellos der Zeitplan für die
Rentenangleichung in Ost und West. Dazu noch einmal die Bundeskanzlerin: „In
dieser Legislaturperiode ist nicht mehr damit zu rechnen. Ich stehe dazu,
dass wir eine solche Angleichung von Ost und West brauchen. Ich würde, wenn
sie mich nach dem Zeitrahmen fragen, sagen, dass das Thema in den ersten
beiden Jahren der nächsten Legislaturperiode erledigt sein wird.“ An dieser
Stelle sei darauf hingewiesen, dass ein Beschluss über die Rentenangleichung
lediglich den Zeitrahmen für die Angleichung festlegen wird. Die volle
Angleichung wird auch weiterhin in kleinen Schritten erfolgen und wohl nicht
vor dem Jahr 2020 umgesetzt sein.
Insgesamt war der Seniorentag sehr informativ. Es gab viele neue Anregungen
für die künftige Seniorenarbeit der DPVKOM. Die Mitglieder des
Seniorenvorstandes hatten Gelegenheit, sich über Waren und Dienstleistungen
für Senioren zu informieren, Kontakte zu anderen Seniorenverbänden zu
knüpfen und sich in Diskussionsrunden zu informieren und selbst
einzubringen.
Am Ausstellungsstand der DPVKOM herrschte zeitweilig reger Betrieb. Mehrere
tausend Besucher wurden von unserem Messe-Team Karin Leske, Marieluis
Gräbner, Gisela Volk, Karl-Heinz Harm und Kurt Scherff informiert, beraten
und betreut.
Günter Weidig