Integration schaffen
Frühe Förderung zahlt sich aus

Integration2007 veröffentlichte die Bundesregierung den Nationalen Integrationsplan. Eine der Arbeitsgruppen beschäftigte sich mit dem Thema der Migration durch Bildung. Das Ergebnis des Berichts ist denkbar einfach: Individuelle Sprachförderung ist unerlässlich. Gleichzeitig stellt der Bericht heraus, dass diese im frühkindlichen Alter erfolgen soll und durchgängig gewährleistet werden muss. Die Umsetzung dieses Vorhabens muss einen Ausbau der bisherigen Kinderbetreuungsangebote zur Folge haben und zwar bundesweit. Das meint auch Familienministerin von der Leyen. Bis 2013 soll jedes dritte Kind unter drei Jahren eine zuverlässige Ganztagsbetreuung erhalten. Aber reicht das?

Immer noch fehlen deutschlandweit – besonders in ländlichen Regionen – etliche Kindergarten-und Krippenplätze. Daneben sind die bisherigen Angebote zum Teil nicht flexibel genug, um sie für Eltern überhaupt attraktiv zu machen: Viele der Betreuungsplätze sind nur für Kinder ab drei Jahren und nur halbtags vorgesehen oder wenn ganztags, oft mit hohen Kosten verbunden. Doch nicht nur berufstätige Eltern leiden unter diesem Zustand. Die eigentlichen Verlierer des Betreuungsnotstandes sind die Kinder. Weder die von der Bundesregierung dringend angeratene Frühförderung noch soziale Gerechtigkeit lassen sich so wirkungsvoll umsetzen.

Wenn wir wirklich wollen, dass alle Kinder die gleichen Ausgangschancen haben und jeder in unserer Gesellschaft die Möglichkeit erhalten soll, später eine weiterführende Schule zu besuchen oder gar ein Studium ins Auge zu fassen, dann müssen wir jetzt handeln. Die Gleichstellung von Kindern, egal welcher sozialer oder ethnischer Herkunft sie auch sein mögen, ist nur möglich, wenn Betreuung auch für jeden zugänglich und bezahlbar ist. Das umfasst die Einführung kostenfreier Kinderbetreuung in Form von Schulhorten und ganz besonders von Krippen und Kitas für Kinder ab dem ersten Lebensjahr.

Schule kann nicht alles richten

Heute schieben wir die Verantwortung für den schulischen Erfolg unserer Kinder gern eine Hausnummer weiter und übergeben sie zusammen mit unseren Sprösslingen an die Erzieherinnen und Lehrerinnen. Dabei vergessen wir schnell, dass insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund besondere Aufmerksamkeit benötigen. Denn in der Regel haben sie schlechte Deutschkenntnisse, die beim Eintritt in die Schule ein beinahe unüberwindliches Hindernis für Kinder und Lehrerinnen und Lehrer bedeuten. Deshalb müssen wir unsere Pädagogen entlasten. Wir müssen ihnen Profis zur Seite stellen, die sie bei der schwierigen Integrationsaufgabe unterstützen. Wir müssen ihnen die nötige Zeit und Ausbildung mitgeben, die sie brauchen, für Kinder, die ihre Aufmerksamkeit in größerem Maße benötigen. Gerade an Schulen in städtischen Brennpunktgebieten ist die reine Schulsozialarbeit von Pädagogen allein nicht mehr ohne sozialpädagogische Unterstützung zu bewältigen.

Das bisherige Schulsystem, das eine Einschulung ab dem sechsten Lebensjahr propagiert, kann die ihm abverlangte Mammutaufgabe der Integration nicht leisten. Deshalb fordert die dbb jugend die Einführung einer Schuleingangsphase, ein verpflichtendes Vorschuljahr ab dem fünften Lebensjahr, das mit dem ersten Jahr der Grundschule zusammengelegt wird. Sozialarbeiter, Erzieher und Grundschullehrer können in dieser Phase eng zusammenarbeiten und von Sonder- und Sozialpädagogen zusätzlich unterstützt werden. Eine intensive Vorbereitung der ABC-Schützen könnte so besser vorbereitet werden, dort wo Nachholbedarf besteht, könnte die so wichtige Frühförderung noch rechtzeitig ankommen. Integration ist ohne Bildung einfach nicht möglich.

Sandra Hennig
stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend