DPVKOM-Betriebsräte diskutierten über den Wert der Arbeit und alternsgerechtes Arbeiten

BR-Konferenz

"Was ist Arbeit in Deutschland noch wert?" Unter dieser Fragestellung fand die diesjährige Betriebsrätekonferenz der DPVKOM vom 25. bis 27. August 2010 in Berlin statt. Mehr als 100 Betriebsräte aus Unternehmen der Deutschen Post DHL, der Deutschen Telekom, der Deutschen Postbank und aus Call-Centern diskutierten in den drei Tagen jedoch nicht nur über den Wert der Arbeit, sondern auch über aktuelle Entwicklungen in den Postnachfolgeunternehmen und Call-Centern. Darüber hinaus wurde auch das Thema "Alternsgerechtes Arbeiten, demographischer Wandel und betriebliche Mitbestimmung" eingehend erörtert.
 

DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer Der DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer fordert die anwesenden Betriebsräte auf, sich zusammen mit der DPVKOM gegen den Verfall des Wertes der Arbeit zu wehren.

In seiner Eröffnungsrede kritisierte der DPVKOM-Bundesvorsitzende Volker Geyer, dass immer mehr Beschäftigte im Niedriglohnsektor tätig sind. Mittlerweile seien dort rund 7 Millionen Menschen beschäftigt. Damit sei die Zahl der Niedriglohnempfänger innerhalb von zehn Jahren um 2,3 Millionen Menschen gewachsen. Rund zwei Millionen Beschäftigte erhielten einen Stundenlohn von 6 Euro und weniger, so Geyer weiter. "In welchem Land leben wir eigentlich?" fragte der DPVKOM-Bundesvorsitzende und sprach in diesem Zusammenhang die hohen Lohnunterschiede in Deutschland an. Während beispielsweise ein Friseur in Thüringen oder Sachsen mit einem Stundenlohn von drei Euro abgespeist würde, verdiene der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, das 150-fache in der Stunde. Geyer forderte, dass derjenige, der Vollzeit arbeitet, auch das Recht haben müsse, von seiner Hände Arbeit leben zu können.

Darüber hinaus ging er unter anderem auf die Entwicklung des Wettbewerbs im Postmarkt ein. Auch hier würden mittlerweile Niedrig- und Dumpinglöhne gezahlt, die letzten Endes von uns allen, den Steuerzahlern finanziert würden. So seien immer mehr Beschäftigte auf staatliche Transferleistungen wie Hartz IV angewiesen. Kritik übte der DPVKOM-Bundesvorsitzende in diesem Zusammenhang auch an der Deutschen Post. So waren am ersten Tag der Betriebsrätekonferenz Pläne der Deutschen Post bekannt geworden, wonach diese die komplette Fremdvergabe der Paketzustellung in Erwägung ziehe. Damit leiste das Unternhemen dem Lohn- und Sozialdumping in der Branche Vorschub. Schließlich würden den Beschäftigten der Servicepartner niedrigere Löhne gezahlt als den Paketzustellern der Deutschen Post. Auch vor diesem Hintergrund sei ein Postmindestlohn von 9,80 Euro notwendiger denn je. Geyer fordert die anwesenden Betriebsräte auf, sich auch in den Betrieben für den Erhalt des Wertes der Arbeit einzusetzen.

Markus Grabka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Markus Grabka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, stellte anschaulich die Vermögensungleichheit in Deutschland dar.

Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander
Am zweiten Tag der Betriebsrätekonferenz referierte zunächst Markus Grabka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Witrschaftsforschung, über die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland. Dabei stellte er unter anderem fest, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinandergehe. Außerdem werde die so genannte Mittelschicht immer kleiner. Seit 2000 seien rund 4,5 Millionen Menschen aus der Mittelschicht herausgefallen und in überwiegend schwache Einkommensgruppen abgerutscht. Grabka führt dies unter anderem auch darauf zurück, dass das Normalarbeitverhältnis dramatisch an Bedeutung verloren habe. Nicht zuletzt machte er politische Entscheidungen für diese Besorgnis erregende Entwicklung verantwortlich (weiterführende Informationen: "Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland", aus: DIW-Wochenbericht Nr.4/2009).

Nachdem DPVKOM-Justiziar Stephan Dimitriadis die Themen "Befristete Arbeitsverhältnisse" und "Betriebsübergang nach §613 a BGB" ausführlich dargestellt hatte, beschäftigten sich zahlreiche Arbeitgruppen mit den aktuellen Entwicklungen in den Postnachfolgeunternehmen. Dabei verabschiedeten Telekom-Betriebsräte ein Grundsatzpapier, in dem sie sich für den Breitbandausbau und gute Beschäftigungsbedingungen für Telekom-Mitarbeiter einsetzen.

Udo Kiel von der H-Faktor GmbH Udo Kiel von der H-Faktor GmbH sprach sich dafür aus, dass Potenzial älterer Mitarbeiter zu nutzen.

Vielfältige Erfolgsfaktoren für alternsgerechtes Arbeiten
Udo Kiel von der H-Faktor GmbH, einer Einrichtung, die sich mit Fragen der alternsgerechten Gestaltung von Arbeit beschäftigt, stellte am letzten Tag betriebliche Mitbestimmungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte bei der alternsgerechten Arbeitsgestaltung in den Postnachfolgeunternehmen dar. Gleichzeitig wies er auf zahlreiche Erfolgsfaktoren für die betriebliche Mitbestimmung hin, die sich aus einer vorausschauenden und den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft entsprechenden Personalpolitik ergeben. So warb er nicht zuletzt dafür, Zukunftsperspektiven für alle Altersgruppen zu schaffen und der Arbeit wieder ein gesundes Maß zu geben. Letzteres sei ihr nämlich abhanden gekommen.